Die ehemalige Burgkapelle St. Margareta



Das idyllisch gelegene Kirchlein St. Margareta wird urkundlich zum ersten Mal 1376 genannt. Damals stiftete die in der Burg ansässige Rittersfamilie von Seckendorf-Nold einem Priester des Klosters Neunkirchen eine ewige Messe für die Kapelle St. Margaretha zu Regensberg. Die Burgkapelle dürfte schon in weit älterer Zeit bestanden haben und das Patrozinium der hl. Margareta auf die frühere Burgherrin Margaretha von Gründlach zurückgehen!


In der altehrwürdigen Kirche befinden sich Kunstwerke von seltener Art und hoher künstlerischer Qualität. Eine liebliche Madonna, aus Stein gehauen, mit dem weiten Faltenwurf der frühen Gotik, wohl eine Nürnberger Arbeit, wurde bei der letzten Renovierung 1970-76 an der Südseite des Langhauses angebracht. Sie hatte bis dahin im Chorraum gestanden und war durch den barocken Hochaltar gänzlich verdeckt gewesen. Auch ein gotisches Sakramentshaus und eine Altarmensa sind noch vorhanden.


Aus der Jahreszahl 1448 am Langhaus ist zu schließen, dass es zu jener Zeit erweitert wurde. In der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg befand sich die Kirche in so schlechtem Zustand, „dass sie unwürdig zum hl. Messopfer“ war. Ab 1685 wurde die Kirche gründlich renoviert. 1687 „wurden dem Mahler zu Vorcheim 14fl. 1Pf. 20dl. von die ganze Kirchen zu mahlen“ bezahlt, dann 1fl. 1Pf. 20dl. „für den Predigtstuhl zu mahlen“. Wer dieser Maler war und ob er auch die Zwölf Apostel an der Emporenbrüstung gemalt hat, verschweigt uns die Kirchenrechnung. 1690 wurde „dem Meister Pancratz zu Vorcheim von dem Kirchentürmlein mit einem welschen (barocken) Häublein zu machen bezahlt laut Scheins 28fl. 9Pf.“. Der Meister Hannß Nickel zu Forchheim lieferte ein neues Turmkreuz und der Ziegler zu Hundsboden die Ziegeln für das Kirchendach.


Ein neuer Hochaltar mit der Figur der hl. Margareta und der 14-Nothelfer-Altar wurden in der Werkstatt von Bernhard Häußler und seinem Schwiegersohn Konrad Schleunig in Pottenstein gefertigt. Der 14-Nothelfer-Altar, in seiner Gestaltung von einmaliger Art, ist nach dem Bibelspruch „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebzweige“ geschnitzt. Die Heiligen stehen auf den Ästen eines Weinstocks, während Gottvater den Stamm bekrönt; das Jesuskind befindet sich in der Mitte des Stammes.


1716 erhielt laut Kirchenrechnung „Conrad Schleunig, Bildhauer zu Bottenstein, 10fl. für die Apostel Petrus und Paulus auf den 14 Heiligen Altar zu schnitzen und zu mahlen“. Geboren wurde Konrad Schleunig in Ulrichstein bei Alsfeld in Oberhessen. Auf der Wanderschaft kam er nach Pottenstein in die Werkstatt des Bildschnitzers Bernhard Häußler und wurde dessen Schwiegersohn und Werkstattnachfolger.
Eine neue Orgel wurde in Auftrag gegeben, die der Orgelbauer Konrad Schöpf aus Seßlach lieferte. Sie hatte sechs Register und Schöpf bekam dafür im Jahre 1718 die Summe von 78 Gulden.
Durch die Säkularisation kam der jetzige barocke Hochaltar, künstlerisch und geschichtlich von großer Bedeutung, nach Regensberg. Um ihn im Chorraum unterzubringen, wurde der barocke Hochaltar von Häußler/Schleunig an der linken Seite der Kirche angebracht und zum Marienaltar umfunktioniert. Die Statue der hl. Margareta stellte man auf eine schmiedeeiserne Konsole am Chorbogen. Jetzt hat sie ihren Platz über der Tür zur Sakristei.
Der barocke Hochaltar mit prachtvollem Aufbau entstand 1714 für eine Seitenkapelle der Karmelitenkirche in Bamberg. Die hervorragenden Plastiken wurden von Sebastian Degler, dem in Weilheim geborenen Ehe- und Werkstattnachfolger des Bildhauers Johann Georg Götz in Bamberg, unter Mithilfe seiner Stiefsöhne Joseph Mathias und Johann Valentin Götz geschaffen.


Den Abschluss des Altares bildet das von zwei Wölfen gehaltene Wappen des Stifters, des Grafen Philipp Gaston Wolf von Wolfsthal zu Zeilitzheim, Hallerndorf, Neuses am Sand, Thannstein und Pilmersried, Kurmainzischer wie auch Hochfürstl. Bambergischer und Würzburgischer geheimer Rat, Edellehenrichter und Oberschultheiß zu Bamberg, Ritterhauptmann des Ritterkantons Steigerwald, Spezialdirektor der sechs fränkischen Ritterorte, später noch Kaiserlicher geheimer Rat und Reichshofrat. Er wurde 1706 in den Reichsgrafenstand erhoben und starb 1717 als Letzter seines Geschlechts.
Anlass der Stiftung war ein schwerer persönlicher Verlust, nämlich der Tod seines Sohnes Ludwig Sigmund, der 1713 als kaiserlicher Reichshofrat in Wien gestorben war und auf den er große Hoffnungen gesetzt hatte. Ludwig Sigmund war mit der steirischen Gräfin Franziska von Rothal verheiratet.
Philipp Gaston Wolf von Wolfsthal ließ auf dem Altar in epitaphähnlichem Sinn seinen Namenspatron und die seiner drei verstorbenen Ehefrauen anbringen, um der Nachwelt das Andenken an seine Familie zu erhalten. Vermutlich wurden die Heiligen nach Gemäldevorlagen der Familie geschnitzt.
Die heilige Anna mit dem Jesuskind weist auf seine erste Frau, Anna Margaretha Voit von Rhineck, und seinen erstgeborenen Sohn Johann Philipp hin. Mit ihr wurde er am 7. Februar 1668 in der Kapelle von Schloss Geyerswörth in Bamberg getraut, „unter bey sein Ihrer Hochfürstlichen Gnaden Philipp Valentin Voit von Rhineck und Ihrer Hochwürden Gnaden Heinrich von Künsberg Domdechant und anderer Cavaliere“. Anna Margaretha war die Nichte des Bischofs. Sie starb 1669 bei der Geburt ihres Sohnes Johann Philipp. Als dessen Taufpaten fungierten Johann Philipp von Schönborn, Kurfürst und Erzbischof von Mainz, und Philipp Valentin Voit von Rhineck, Fürstbischof von Bamberg. Johann Philipp starb im Kindesalter.
Die heilige Magdalena symbolisiert die zweite Ehefrau, Sophia Magdalena von Würtzburg, Witwe des Hans Wolf von Streitberg zu Greifenstein und Burggrub. Mit ihr vermählte sich der Graf am 8. Juli 1671 in Bamberg. Aus der 15-jährigen Ehe gingen sieben Kinder hervor, wovon vier schon im frühen Kindesalter starben.
Die jugendliche Maria bezieht sich auf die dritte Gattin, Maria Agnes von Ostein, Tochter des Johann Jakob von Ostein, Hochfürstlich Baselischer geheimer Rat und Landhofmeister zu Bruntrutt. Der Graf heiratete sie im Jahre 1688. Sie starb am 5. Juli 1708 in Bamberg.
Da Philipp Gaston Wolf von Wolfsthal in enger Verbindung zu seinem Vetter, dem Grafen Rudolf Franz Erwein von Schönborn stand, nahm er diesen an Kindes statt an und vermachte ihm testamentarisch „soviel deren Eigentum betrifft die Rittergüter Zeilitzheim, Neuses am Sand und Hallerndorf“. Zugleich trug er Schönborn an, „Namen und Wappen der Familie von Wolfsthal künftig mit dem seinen zu führen“. Die Grafen von Schönborn nannten sich daraufhin „von Schönborn Bachheim und Wolfsthal“. An vielen Bauten der Schönborn-Zeit kann man den Wolf der Familie von Wolfsthal vermehrt im Wappen der Familie von Schönborn sehen.




Die Pfarrei Regensberg

Nachdem Bamberg 1615 das Rittergut Regensberg zurückgekauft hatte, wurde Regensberg 1616 zum Sitz einer Pfarrei ernannt. Die Pfarrei sollte die Orte Regensberg, Weingarts, Pommer, Neusleshof, Bremenhof und Schlichenreuth umfassen. Der erste Pfarrer von Regensberg, Georg Schäffer, fand eine schwierige Situation vor, da die neue Pfarrei nur mit geringen Einkünften ausgestattet war. Im Stiftungsbrief der Familie von Seckendorf-Nold für einen Priester des Klosters Neunkirchen war im Jahre 1376 festgelegt worden, dass zur Dotation der Stiftung „ein Holz so an das Schrattenthal stoßet bey 14 Tagwerk, 2 Tagwerk Wiese, 1½ Morgen Acker und ein Baumgarten im Schrattenthal mit einer Wohnstatt für den Priester“ gehörten. Dieser Wald und die Grundstücke (heute noch Pfarrholz und Pfarrgarten genannt) wurden in der Reformation durch die Auflösung des Klosters Neunkirchen von der Schlossherrschaft Regensberg eingezogen und sollten für die Unterhaltung der Pfarrei verwendet werden. Die Bamberger Hofkammer verzögerte die Herausgabe immer wieder und gab stattdessen 35 Gulden und 2 Sümra Korn, die der Pächter des fürstlichen Bauernhofes zu Regensberg als Pachtschilling zu entrichten hatte, dann noch „den Zehnten zu Wellucken und zwei Gütlein zu Langensendelbach mit Zins und Gült“. Die Kirche war zudem sehr ärmlich eingerichtet. Pfarrer Schäffer vermerkte 1617 in einer Aufstellung „zwei Paramente, so zerrissen, dass es eine Schande ist in ihnen zu zelebrieren, benötigt werden Gefäße für die hl. Öle, ein Weihwassergefäß, ein Weihrauchfaß, ein Deckel für den Taufstein, Fahnen, Kreuz, ein Trag-Ciborium für die Krankensalbung, die zwei Altäre sind sehr entblößt, und es ist niemand da, der den Mesnerdienst versieht“.
Die Pfarreiangehörigen waren unter den bisherigen Schlossherrschaften zum Protestantismus übergetreten und wurden erst allmählich rekatholisiert. Noch längere Zeit nach der Gründung der Pfarrei ließen Einwohner von Weingarts ihre Kinder in Ermreuth oder andernorts bei einem protestantischen Pfarrer taufen. Pommer, das an Nürnberg verkauft worden war, blieb seinem Glauben treu und ging weiterhin zum Gottesdienst in die nürnbergische Pfarrei Walkersbrunn, ebenso Bremenhof und Neusleshof. Schlichenreuth, das sich im Besitz der Familie von Egloffstein befand, pfarrte ins Ritterschaftliche Ermreuth. So blieben für die Pfarrei Regensberg nur 32 Anwesen in Weingarts und die Bewohner des Schlosses und Bauernhofes in Regensberg übrig, was eine Zusammenlegung mit der 1620 neu gegründeten Pfarrei Leutenbach notwendig machte. Pfarrer Georg Schäffer wurde der erste Pfarrer von Leutenbach und versorgte Regensberg von dort aus. Alle weiteren Pfarrer hatten ihren Sitz in Leutenbach, bezeichneten sich aber als Pfarrer zu Leutenbach und Regensberg. Offiziell aufgelöst wurde die Pfarrei Regensberg nie. In der Leutenbacher Pfarreimatrikel sind auch alle evangelischen Einwohner von Weingarts verzeichnet, denn sie wurden bis zum Jahre 1820 als evangelische Pfarrkinder vom katholischen Pfarrer in Regensberg getauft, getraut und beerdigt. Zum Gottesdienst gingen sie nach Kunreuth in die Kirche ihrer Konfession. Bis dahin waren die Gegensätze zwischen den beiden Glaubensrichtungen nicht so stark wie im weiteren 19. und im 20. Jahrhundert. Die katholischen Einwohner nahmen für ihre Kinder sehr häufig evangelische Taufpaten und umgekehrt war es ebenso. Auch bei den Trauzeugen spielte die Konfession keine Rolle.

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